Bolivien: Huayna Potosi 6088m -1.Tag

Unsere Tour auf den 6088 Meter hohen Huayna Potosi in Boliviens Cordillera Real Anfang Juli 2010 beginnt in der Calle Sagárnaga in La Paz. Im kleinen Büro der Bergsportagentur von Adolfo Andino kaufen wir einen Taxi-Transfer von La Paz zum Zongo Pass, dem üblichen Ausgangspunkt für die Besteigung.  Wir sind überrascht, dass Adolfo nicht versucht, uns einen Guide oder Ausrüstung zu vermitteln. Stattdessen malt er mit einem Filzstift die Route auf eine Glasplatte, unter der ein Foto vom Huayna liegt. Er zeigt die Hütte am Campo Rocas auf knapp 5.200 Metern, den Beginn des Gletschers kurz danach, die Steilstufe und schließlich den Gipfelgrat. “Die meisten brechen gegen 2 Uhr nachts von der Hütte auf”, sagt Adolfo, “und sind spätestens um 9 Uhr am Gipfel.” Mit dem Daumen wischt er den Filzstift von der Glasplatte und wünscht viel Glück.

Jaime, ein Fahrer der Agentur, bringt uns am nächsten Tag zum Zongo Pass.  Ein weißes und zwei schwarze Lamas zupfen an gelben Grashalmen zwischen den Steinen neben der Piste. Für einen Moment schauen sie der Staubwolke nach, die Jaimes Mitsubishi auf der Piste aufwühlt, dann zupfen sie gemächlich weiter. Die Menschen mit den dunklen Sonnenbrillen und großen Rucksäcken, die hier fast jeden Tag von lauten Blechkisten ausgespuckt werden, nehmen sie mit freundlichem Desinteresse hin.

Lama, Cordillera Real, Bolivia, Bild: b.schwarz

Der Weg zum Campo Rocas, dem Basislager für den Aufstieg zum Gipfel am nächsten Tag,  ist nicht zu verfehlen.  Ein kurzes Stück läuft er parallel zur Passstraße, dann biegt er in Richtung einer Gletschermoräne, erklimmt deren Kamm und zieht dann steil durch Geröll und Felsblöcke zur Hütte. Am Ende der Moräne warten zwei junge Bolivianerinnen in einem gelben Zelt, dass  groß und hoch genug für einen Tisch und Stühle ist. Die beiden schreiben Namen und Passnummern in ein Buch und kassieren 10 Bolivianos pro Person für ein sogenanntes “Derecho de Escalada”.

Schritt für Schritt und vorsätzlich langsam steigen wir durch das Geröll in Richtung der Hütte. Immer wieder zerrt der Wind an unseren Mützen und den Rucksäcken. Der Gipfel des Huayna Potosi liegt in Wolken, das Wetter ist nicht optimal. Nach knapp drei Stunden ab dem Pass erreichen wir die Hütte. Sie steht auf einem kleinen Vorsprung. Um sie herum liegen große und kleine Felsblöcke wie zufällig in die Landschaft gewürfelt. Der Campo Rocas ist einer der letzten schneefreien Plätze beim Aufstieg zum Huayna Potosi, knapp 50 Meter hinter der Hütte beginnt schon der Gletscher.

Eigentlich wollen wir draußen zelten, doch weil die Hütte leer ist und der Wind immer stärker wird, entscheiden wir uns in der Hütte zu bleiben. Wir zahlen 100 Bolivianos an den Hüttenwirt, der kurze Zeit später mit seinem kleinen schwarzen Pudel in Richtung Zongo Pass aufbricht und erst spät abends zurückkehren wird. Wir verstauen unsere Rucksäcke auf dem Dachboden, breiten unsere Schlafsäcke auf den dünnen Schaumstoffmatten aus.  Es ist zwei Uhr nachmittags. Wir essen ein bißchen Kuchen aus La Paz, stellen die Leichtsteigeisen auf die Größe unserer Bergschuhe ein. Und frieren. Wir lesen die Kritzeleien an den Holzwänden der Hütte. Für viele Touristen scheint der Gipfel die Herausforderung ihres Lebens gewesen zu sein.

Später kommen noch Max aus Rosenheim und ein Paar aus Franken, das mit einem Guide unterwegs ist. Max war bei den Gebirgsjägern und möchte Forstwirtschaft studieren. In Chile hat er als Praktikum zusammen mit Mapuche-Indianern Bäume gefällt, jetzt reist er alleine durch Bolivien und Peru. Für den Huayna hat er sich in La Paz Gamaschen für seine Bergschuhe nähen lassen. Eine Kombination aus Nylon-Damensöckchen als erste Lage, einer Plastiktüte als zweite und Bergsocken darüber soll außerdem die Füße warmhalten.

Huayna Potosi 2.Tag

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