Bolivien: Huayna Potosi 6088m – 2.Tag

Huayna Potosi 6088m, Cordillera Real, Bolivia, Bild: b.schwarz

In der Nacht legt sich der Wind. Als wir um drei Uhr am Beginn des Gletschers Steigeisen und Gurte anziehen, funkeln über uns die Sterne im schwarzen Nachthimmel. Die Luft ist kalt, aber nicht eisig, uns ist einigermaßen warm. Wir gehen mit jeweils einem Pickel und einem Teleskop-Skistock. Die Zacken der Steigeisen  bohren sich in den hartgefrorenen Schnee. Die Spur zieht erst steil den Hang hinauf, später macht sie weitere Bögen und wird flacher. Immer wieder steigen wir über kleinere Spalten. Am Campo Argentino, einem möglichen Hochlager auf rund 5.500m, laufen wir in einen Kessel. Die Höhe macht uns nach wie vor keine Probleme, nur als wir uns einen Müsliriegel teilen, wird uns beiden schon von den wenigen Bissen leicht übel.

Kurz vor Ende des Kessels zieht die Spur steil nach rechts, wir nähern uns der besagten Steilstufe. Hier muss ein rund 50 Grad steiler Hang gequert werden, der unten in einer großen Spalte endet. Nacheinander steigen wir in der schon vorhandenen Spur hinauf und sichern uns gegenseitig. Der Wind ist wieder stärker geworden und als wir am Ende der Steilstufe einen Gratrücken erreichen, bläst es brutal. Hände und Füße sind unsere Schwachstellen, wie wir bald merken. Am Übergang zwischen den Fleecehandschuhen und der Windstopperjace, kriecht die Kälte langsam die Unterarme hoch. Die Zehenspitzen in den Bergschuhen werden etwas taub, aber es lässt sich aushalten, wir gehen weiter und warten, dass die Sonne aufgeht.

Die Sonne kommt gegen 6 Uhr heraus. Erst taucht sie das Weiß von Schnee und Eis in wames orange, doch schon kurze Zeit später ist es taghell. Wir queren unter der Gipfelflanke, bald sehen wir die anderen drei Deutschen und den bolivianischen Guide oben am Grat.

Als wir selbst den Grat erreichen, kommen uns die anderen schon entgegen. Wir steigen entlang einer gefrorenen Wächte in Richtung Gipfel. Steckt man den Kopf über die Wächte, stürmt einem der Wind von der Nordseite entgegen. Auf unserer, der Sonnenseite, ist es zum Glück fast windstill. Die Spur ist schmal, oft nicht breiter als ein Meter. Immer wieder ragen auch Felsen aus dem Eis heraus, über die wir klettern müssen.

Um kurz vor acht stehen wir am Gipfel.  Die Sonne scheint, es ist einigermaßen windstill, wir schauen Richtung La Paz und auf die umliegenden Gipfel. Es ist einer dieser Tage, an denen man abends ins Bett steigt, sofort einschläft und nicht eine Sekunde nachgrübelt, was noch hätte sein können.

Huayna Potosi 1.Tag

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