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Azoren – Canyoning am westlichsten Punkt Europas

Ich könnte jetzt einfach losrennen. Rauf auf den großen Stein, der die kleinen Kiesel vor der Abbruchkante aufstaut. Die Augen auf den Horizont und dann den entscheidenden Schritt nach vorn. Zwanzig Meter durch die Luft fliegen, mit einem Kreiseln im Bauch wie in der Achterbahn, das mit jeder Millisekunde stärker wird. Es gibt Canyonisten, die springen den letzten Abseiler des Barrosas einfach so hinunter ins Meer. Ich nicht.

Ich seile also freihängend in Richtung Wasseroberfläche, stoppe fünf, sechs Meter darüber und lasse los. Das Seil schnappt durch den Achter, ein kurzer Flug und ich platsche ins Wasser. Angenehm warm ist das Wasser des Atlantiks im Herbst vor den Azoren. Kein Wunder eigentlich, schließlich zieht der Golfstrom direkt an der Inselgruppe vorbei – und macht aus dem Meer, zumindest für Neoprenträger, eine Badewanne.

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Barrosas Flores/Azoren, ©srauch

 

Dass überall, wo es Canyons gibt, diese für das Canyoning eingerichtet – und mal mehr mal weniger kräftig beworben – werden, ist ja kein neues Phänomen. Auf den Azoren ist das im Rahmen eines Tourismusentwicklungsprojekts geschehen: Von vielen Ecken und Enden gefördert, soll auf den Inseln ein nachhaltiger Individualtourismus entstehen. Dazu hat man diesen Herbst Canyonisten aus aller Welt nach Flores, am Westzipfel des Archipels, eingeladen. Geboten wurde fast schon All-inclusive-Canyoning – mit markierten Wegen, Transfers zu den Ein- und Ausstiegen und einem ausgeklügelten System alle 100 Teilnehmer in den drei kleinen Hotels der Inselhauptstadt Santa Cruz – knapp 2000 Einwohner – unterzubringen.

Mehr als 40 Canyons wurden in den letzten Jahren allein auf Flores eingerichtet. Ein Großteil von ihnen beginnt als wenig eingeschittene, doch mit ihrem dichten, tropischen Grün beeindruckende Waldschlucht auf dem vulkanischen Hochplateau und bricht dann mit einem spannenden, vertikalen Finale zum Meer hinunter – 100 Meter im Mouco, 120 im Ferrero und 220 Meter im Cao! Die man übrigens auch bequem vom Hafencafé in Faja Grande – zumindest optisch – erleben kann.
Doch auch in den Bergen gibt es Schluchten, die zum Teil sogar sehr viel Wasser führen. Etwa der Bandanela, der – laut den portugiesischen Canyonisten – auch in Teilstücken kaum an einem Tag zu schaffen ist.

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Ferreiro von der Lagoa das Patas, Flores/Azoren, ©srauch

100-Meter mit zwei Umsteigern, Mouco Flores/Azoren, ©srauch

100-Meter mit zwei Umsteigern, Mouco Flores/Azoren, ©srauch

Flores ist auf den Azoren der Haupt-Spot fürs Canyoning, doch auch auf Sao Jorge, Sao Miguel, Sta. Maria, Faial und Terceira gibt es eingerichtete Touren, wobei neben Flores sicher Sao Jorge das interessanteste Gebiet ist.

Viele Infos zum Canyoning auf den Azoren gibt es bei den Canyonauten

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