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Canyoning auf Sardinien: Codula Orbisi und Grotta Donini

In der zweiten Novemberwoche war ich zusammen mit Freunden vom Deutschen Canyoningverein auf Sardinien. Unser Ziel waren natürlich die Canyons, die es auf Sardinien sowohl im Kalk als auch Granitgestein gibt. Zwei Highlights im Kalk sind auf jeden Fall der Codula Orbisi und die Grotta Donini.

Codula Orbisi, Sardinien ©srauch

Der Codula Orbisi ist ein Zufluss zum Flumineddu. Die Schlucht schneidet sich mit faszinierenden Formen in das helle Gestein. Die meiste Zeit des Jahres fließt kein Wasser, jedoch sind die Becken gefüllt, bei unserer Begehung im November sogar mit relativ klarem Wasser. Auf einem kurzen Stück fließt der Codula Orbisi durch eine Höhle, so dass man Stirnlampen braucht. Sportlicher Höhepunkt ist ein Abseiler der im Bachbett vor einer ca. 5 Meter hohen Felswand endet. Hier ist zwar eine massive Kette auf einiger Höhe als Aufsteigshilfe installiert, es ist jedoch besser, wenn der Erste eine Seilbahn baut.

Die Grotta Donini ist eine Durchgangshöhle, die nahezu parallel zu Codula Orbisi verläuft. Sie führt das ganze Jahr über Wasser. Ihr Einstieg liegt direkt am Rande des Bachbetts des Codula Orbisi – ein kleines Loch im Fels  mit weniger als einem Meter Durchmesser. Dieser kleine, sieben Meter tiefe Schacht lässt nicht ahnen, welche großen Hallen und langen Wassergänge sich im Inneren der Grotta Donini auftun. Den spannenden Abschluss dieser aquatischen Höhlentour bildet ein 50m-Abseiler, der aus der Grotta fast direkt wieder zum Codula Orbisi führt.

Wolfgang zeigt auf youtube ein  Video (1.Teil) über unsere Begehung der Grotta Donini. Den 2.Teil gibt es hier.

Die Fahrt zum Cuile Sedda Arbaccas, dem Ausgangspunkt für beide Touren am Ende einer mit normalen Autos gerade noch befahrbaren Piste, lohnt sich auch, wenn man weder Canyon noch Höhle machen will: Rund um die Schluchten gibt es wunderschöne alte Bäume, große, knorrige Steineichen und  Eiben mit dicken Dächern aus Ästen und Zweigen, die das Casting für jeden Märchenfilm gewinnen würden.

Bolivien: Huayna Potosi 6088m – 2.Tag

Huayna Potosi 6088m, Cordillera Real, Bolivia, Bild: b.schwarz

In der Nacht legt sich der Wind. Als wir um drei Uhr am Beginn des Gletschers Steigeisen und Gurte anziehen, funkeln über uns die Sterne im schwarzen Nachthimmel. Die Luft ist kalt, aber nicht eisig, uns ist einigermaßen warm. Wir gehen mit jeweils einem Pickel und einem Teleskop-Skistock. Die Zacken der Steigeisen  bohren sich in den hartgefrorenen Schnee. Die Spur zieht erst steil den Hang hinauf, später macht sie weitere Bögen und wird flacher. Immer wieder steigen wir über kleinere Spalten. Am Campo Argentino, einem möglichen Hochlager auf rund 5.500m, laufen wir in einen Kessel. Die Höhe macht uns nach wie vor keine Probleme, nur als wir uns einen Müsliriegel teilen, wird uns beiden schon von den wenigen Bissen leicht übel.

Kurz vor Ende des Kessels zieht die Spur steil nach rechts, wir nähern uns der besagten Steilstufe. Hier muss ein rund 50 Grad steiler Hang gequert werden, der unten in einer großen Spalte endet. Nacheinander steigen wir in der schon vorhandenen Spur hinauf und sichern uns gegenseitig. Der Wind ist wieder stärker geworden und als wir am Ende der Steilstufe einen Gratrücken erreichen, bläst es brutal. Hände und Füße sind unsere Schwachstellen, wie wir bald merken. Am Übergang zwischen den Fleecehandschuhen und der Windstopperjace, kriecht die Kälte langsam die Unterarme hoch. Die Zehenspitzen in den Bergschuhen werden etwas taub, aber es lässt sich aushalten, wir gehen weiter und warten, dass die Sonne aufgeht.

Die Sonne kommt gegen 6 Uhr heraus. Erst taucht sie das Weiß von Schnee und Eis in wames orange, doch schon kurze Zeit später ist es taghell. Wir queren unter der Gipfelflanke, bald sehen wir die anderen drei Deutschen und den bolivianischen Guide oben am Grat.

Als wir selbst den Grat erreichen, kommen uns die anderen schon entgegen. Wir steigen entlang einer gefrorenen Wächte in Richtung Gipfel. Steckt man den Kopf über die Wächte, stürmt einem der Wind von der Nordseite entgegen. Auf unserer, der Sonnenseite, ist es zum Glück fast windstill. Die Spur ist schmal, oft nicht breiter als ein Meter. Immer wieder ragen auch Felsen aus dem Eis heraus, über die wir klettern müssen.

Um kurz vor acht stehen wir am Gipfel.  Die Sonne scheint, es ist einigermaßen windstill, wir schauen Richtung La Paz und auf die umliegenden Gipfel. Es ist einer dieser Tage, an denen man abends ins Bett steigt, sofort einschläft und nicht eine Sekunde nachgrübelt, was noch hätte sein können.

Huayna Potosi 1.Tag

Bolivien: Huayna Potosi 6088m -1.Tag

Unsere Tour auf den 6088 Meter hohen Huayna Potosi in Boliviens Cordillera Real Anfang Juli 2010 beginnt in der Calle Sagárnaga in La Paz. Im kleinen Büro der Bergsportagentur von Adolfo Andino kaufen wir einen Taxi-Transfer von La Paz zum Zongo Pass, dem üblichen Ausgangspunkt für die Besteigung.  Wir sind überrascht, dass Adolfo nicht versucht, uns einen Guide oder Ausrüstung zu vermitteln. Stattdessen malt er mit einem Filzstift die Route auf eine Glasplatte, unter der ein Foto vom Huayna liegt. Er zeigt die Hütte am Campo Rocas auf knapp 5.200 Metern, den Beginn des Gletschers kurz danach, die Steilstufe und schließlich den Gipfelgrat. “Die meisten brechen gegen 2 Uhr nachts von der Hütte auf”, sagt Adolfo, “und sind spätestens um 9 Uhr am Gipfel.” Mit dem Daumen wischt er den Filzstift von der Glasplatte und wünscht viel Glück.

Jaime, ein Fahrer der Agentur, bringt uns am nächsten Tag zum Zongo Pass.  Ein weißes und zwei schwarze Lamas zupfen an gelben Grashalmen zwischen den Steinen neben der Piste. Für einen Moment schauen sie der Staubwolke nach, die Jaimes Mitsubishi auf der Piste aufwühlt, dann zupfen sie gemächlich weiter. Die Menschen mit den dunklen Sonnenbrillen und großen Rucksäcken, die hier fast jeden Tag von lauten Blechkisten ausgespuckt werden, nehmen sie mit freundlichem Desinteresse hin.

Lama, Cordillera Real, Bolivia, Bild: b.schwarz

Der Weg zum Campo Rocas, dem Basislager für den Aufstieg zum Gipfel am nächsten Tag,  ist nicht zu verfehlen.  Ein kurzes Stück läuft er parallel zur Passstraße, dann biegt er in Richtung einer Gletschermoräne, erklimmt deren Kamm und zieht dann steil durch Geröll und Felsblöcke zur Hütte. Am Ende der Moräne warten zwei junge Bolivianerinnen in einem gelben Zelt, dass  groß und hoch genug für einen Tisch und Stühle ist. Die beiden schreiben Namen und Passnummern in ein Buch und kassieren 10 Bolivianos pro Person für ein sogenanntes “Derecho de Escalada”.

Schritt für Schritt und vorsätzlich langsam steigen wir durch das Geröll in Richtung der Hütte. Immer wieder zerrt der Wind an unseren Mützen und den Rucksäcken. Der Gipfel des Huayna Potosi liegt in Wolken, das Wetter ist nicht optimal. Nach knapp drei Stunden ab dem Pass erreichen wir die Hütte. Sie steht auf einem kleinen Vorsprung. Um sie herum liegen große und kleine Felsblöcke wie zufällig in die Landschaft gewürfelt. Der Campo Rocas ist einer der letzten schneefreien Plätze beim Aufstieg zum Huayna Potosi, knapp 50 Meter hinter der Hütte beginnt schon der Gletscher.

Eigentlich wollen wir draußen zelten, doch weil die Hütte leer ist und der Wind immer stärker wird, entscheiden wir uns in der Hütte zu bleiben. Wir zahlen 100 Bolivianos an den Hüttenwirt, der kurze Zeit später mit seinem kleinen schwarzen Pudel in Richtung Zongo Pass aufbricht und erst spät abends zurückkehren wird. Wir verstauen unsere Rucksäcke auf dem Dachboden, breiten unsere Schlafsäcke auf den dünnen Schaumstoffmatten aus.  Es ist zwei Uhr nachmittags. Wir essen ein bißchen Kuchen aus La Paz, stellen die Leichtsteigeisen auf die Größe unserer Bergschuhe ein. Und frieren. Wir lesen die Kritzeleien an den Holzwänden der Hütte. Für viele Touristen scheint der Gipfel die Herausforderung ihres Lebens gewesen zu sein.

Später kommen noch Max aus Rosenheim und ein Paar aus Franken, das mit einem Guide unterwegs ist. Max war bei den Gebirgsjägern und möchte Forstwirtschaft studieren. In Chile hat er als Praktikum zusammen mit Mapuche-Indianern Bäume gefällt, jetzt reist er alleine durch Bolivien und Peru. Für den Huayna hat er sich in La Paz Gamaschen für seine Bergschuhe nähen lassen. Eine Kombination aus Nylon-Damensöckchen als erste Lage, einer Plastiktüte als zweite und Bergsocken darüber soll außerdem die Füße warmhalten.

Huayna Potosi 2.Tag

Wildkopf – Skitourengebiet Potsdamer Hütte

Zur Wildkopfscharte ©mhaaken

Lange Hatscher, welliges Gelände und erst zum Schluss ein bißchen steil: Die Touren rund um die Potsdamer Hütte im Sellrain sind ein gutes Ziel für Ski-Wanderer, Genuss-Skifahrer oder einfach Tage mit weniger guten Bedingungen. Der lange Marsch beginnt meist schon ab der so genannten Eisbrücke, die man vom Abzweig in Sellrain in wenigen Auto-Minuten erreicht. Am 20.März 2010 war die Straße noch komplett schneebedeckt und mit Ketten eigentlich gut zu befahren – wenn sich der Frühling noch ein bißchen zurückgehalten hätte: Um ein Uhr mittags war der Schnee so durchweicht, dass sich unser Auto nach der Hälfte der Strecke nur noch eingrub, ohne festen Halt zu finden – die fehlenden Meter bis zum Gasthof Bergheim sind wir dann also doch noch gelaufen.

Ab dem Bergheim (1464m)  zieht sich eine recht endlose Forststraße das Fotscher Tal bis kurz vor die Potsdamer Hütte (2020m) hinauf. Die Hütte selbst steht auf einer kleinen Anhöhe – sie liegt  für die Touren im hinteren Talboden nicht direkt am Weg, ist aber in 5 bis 10 Minuten zu erreichen.

Zum Wildkopf (2720m) läuft man im Tal erst einmal ohne Höhengewinn geradeaus weiter. An einem Wegkreuz geht es – endlich – in südlicher Richtung einen Hang hinauf. Mal steiler, dann wieder flacher steigt man immer weiter durch welliges Gelände bis zu einem kleinen Sattel. Das Gipfelkreuz des Wildkopfs ist von hier schon deutlich auszumachen, hinauf geht es in einer recht steilen Rinne bis in die Wildkopfscharte (2600m), von dort zu Fuß über den Grat bis zum Gipfel. Der Skitourenführer “Sellrain” von Rudolf und Siegrun Weiss beschreibt den Auftstieg in einer noch näher zum Gipfel heranführenden Rinne – bei unserer Tour war die Spur zur Wildkopfscharte gelegt und ich denke auch, dass das die heute übliche Routenführung ist.

Wildkopfscharte mit Fußweg zum Gipfel ©srauch

Die Abfahrt verläuft auf der Anstiegsroute in tollem Skigelände. Im  einzigen Steilstück, der Rinne zur Wildkopfscharte, war der Schnee sehr gut verdichtet und leicht abzufahren. Weiter unten hatte die Sonne schon einiges geleistet und den Schnee leider recht weich und anfällig fürs Einbrechen gemacht (Abfahrt von der Scharte am 21.3. gegen 12 Uhr).

Skitour im Sellrain: Roter Kogel

Durch das Schafalm-Becken zum Roten Kogel ©mhaaken

Der Rote Kogel (2832m) ist der Paradegipfel der Potsdamer Hütte, an Wochenenden ziehen Karawanen von Ski- und Schneeschuhtourengehern den gemächlichen Anstieg hinauf. Die meisten starten von der Potsdamer Hütte. Der Rote Kogel ist aber auch über die unterhalb des  Gasthauses Bergheim abzweigende Forststraße mit Wegverlauf über die Almindalm gut machbar.

Von der Potsdamer Hütte (2020m) geht es zunächst den “Hüttenhang hinauf”. Wo sich der Hang verflacht, hält man sich etwas rechts und wandert in welligem Gelände immer entlang der Ausläufer des Kastengrats. Ab dem Ansatz des Kastengrats wendet man sich nach links – hinein in das weitläufige Becken der Schafalm. Von hier sind der weitere Anstieg und der Rote Kogel am Ende des Talbodens bereits gut auszumachen. Ohne großen Höhengewinn wandert man bis zum Ende des Beckens, erst dort wird es etwas steiler. Der Anstieg zum Roten Kogel selbst führt – recht lawinensicher- über seinen Ostrücken. Bei unserer Tour am 22.3.10 konnten wir bis zum Gipfel mit Ski gehen.

Wir waren um zwanzig vor elf am Gipfel und starteten auch recht bald die Abfahrt. Am Kogel selbst und durch das Schafalm-Becken waren die Verhältnisse wie auf einer gut präparierten Piste. Das änderte sich schlagartig als wir wieder auf den “Zubringer” zur Potsdamer Hütte stießen – hier hatte die Sonne schon den ganzen Morgen kräftig den Schnee aufgeweicht. Ski”fahren” war nur noch mit großem Glück in der Spur möglich, daneben sind wir bis über die Knie eingesunken.

Vom Abzweig am Kastengrat-Ausläufer sind wir nicht zur Hütte, sondern zur Almindalm abgefahren. Der Weg dorthin zweigt an der Stelle ab, wo der Auftieg von der Potsdamer Hütte den Linksknick in das Schafalm-Becken macht. Diese Abfahrt sollte laut Tourenführer eine besonders schöne Genussabfahrt sein, uns hat sie gequält: Der Schnee war so weich, wie ich es noch nie erlebt habe: Wir sind ständig eingebrochen, unter uns sind die Schneebrücken über den Bach eingebrochen. Die Forststraße zum Bergheim sind wir in Zeitlupe hinuntergeschneckt. Ab dem Bergheim stand die Straße dann größtenteils unter Wasser, aber man konnte wieder einigermaßen zügig fahren – und zwar Wasserski.

Klettern zwischen La Pobla de Segur und Sort – El Cine

Das Cine ist eigentlich ein Alptraum aus Konglomerat, zumindest für jene, die das bröckelige Vergnügen nicht gewohnt sind..

Wir waren von Tremp/La Pobla de Segur auf der N 260 Richtung Sort unterwegs…und waren uns nicht sicher, ob wir den Canyon Garganta del Infierno gehen wollten – deshalb haben wir etwas unentschlossen am Einstiegsparkplatz ( dort wo es über den Río  Noguera geht) in der alten Straße hinter dem Tunnel geparkt (N 260, km 299,6 laut Roger Büdelers “Canyoning in den Pyrenäen”). Dort trafen wir spanische Kletterer, die gerade am anderen Flussufer Routen einrichteten (Zugang mittels Drahtseil über den Noguera). Und da auf der anderen Bachseite für uns wenig zu holen schien, bekamen wir den Tipp mit dem “Cine”, einem Klettergebiet an einer Abbruchkante des Plateaus orographisch rechts vom Río Noguera.

Zustieg zum Cine ©srauch

Zustieg zum Cine ©srauch

Zum Cine fährt man eine Piste hoch, die von der gegenüberliegenden Straßenseite des ersten Parkplatzes vor den Tunneln (wenn man von La Pobla de Segur kommt) hochführt. Die Piste fährt man wenige Minuten, bis man – oben auf der Hochfläche – vor einer Kette steht. Hier gibt es verschiedene Parkmöglichkeiten.

Auf der Hochfläche läuft man hinter der Kette in Richtung des Fahrweges weiter und bleibt dabei immer recht nah der Abbruchkante. Die Aussicht auf dem Plateau erinnert an einen Wild-West-Film, daher wahrscheinlich auch der Name. Nach zirka 10 bis 15 Minuten Wanderung  stößt man nahe der felsigen Kante auf einen kleinen Klettersteig (Trittstifte und zum Teil Seilsicherung) nach unten. Hier klettert man hinunter – und ist im Cine.

Konglomerat-Kletterei im "Cine" ©db

Wir haben die Routen nicht gezählt, aber es sind bestimmt 30 und mehr. Die Absicherung sah recht gut aus, der Felsen leider -nach unserem Geschmack!- nicht… Wir sind also nicht viel geklettert, trotzdem hat sich der kleine Ausflug wegen der grandiosen Aussicht sehr gelohnt.

Pyrenäen Ordesa – Klettern oberhalb von Revilla

Oberhalb des kleinen, mehr oder weniger verlassenen Örtchens Revilla im Ordesa-Gebiet gibt es einige recht neu erschlossene Kletterrouten. Der (Kalk)Felsen befindet sich gut sichtbar direkt über dem Betonskelett eines nie fertig gebauten Hotels. Der Zugang ist leicht zu finden (zirka 5 Minuten vom Parkplatz (Canyoning Consusa) in der Kurve unterhalb des Ortes).

Im linken Wandteil gibt es vier leichte Routen (Schwierigkeit ungefähr 5, ca. 12m hoch, maximal 7 Laschen bis zum Umlenker). Weiter rechts gibt es noch mindestens 5 weitere Routen, eine davon entlang einer sehr schönen Sintersäule, augenscheinlich jedoch nicht ganz leicht… weshalb wir auf eine 6- zwei Routen weiter rechts ausgewichen sind (ca. 18m, 7 Laschen plus Umlenker). Oder haben wir uns die Route einfach nur fürs nächste Mal aufgehoben?

Canyoning Vorpyrenäen/Río Cinca – Lapenilla

Der 40m-Abseiler des Barranco de Lapenilla ©srauch

Der Barranco de Lapenilla ist ein meist schon im Frühsommer trockener Canyon mit einem schönen 40m-Abseiler. Er liegt nahe Graus, das Gebiet nennt sich Sobrarbe.  Den Einstieg beim verlassenen Dorf Lapenilla erreicht man über eine (im Juni 2009) gut befahrbare Piste.  Der Abstieg ist technisch recht einfach, wegen der schönen Ausblicke auf das türkise  Wasser des Stausees des Río Cinca lohnt sich die Anfahrt jedoch auf jeden Fall.

Ruinen von Lapenilla ©srauch

Ein paar Schritte oberhalb des Einschnitts der Schlucht befindet sich der verlassene Ort Lapenilla mit den  Ruinen einer Kirche und einigen Häusern. Ein toller Platz zum Rumstöbern!

Vorpyrenäen Huesca – Klettern zwischen Barbastro und Graus

Eingerichtete Felsen an der Straße Richtung Olvena ©srauch

Von der N139/N123 Barbastro – Graus zweigt – noch bevor es in die Schlucht des Esera hinein geht – links eine kleine Straße nach Olvena ab. Wir sind dort mal abgebogen, weil wir beim Vorbeifahren so schöne Felszacken gesehen hatten – und haben ein nettes kleines Klettergebiet direkt an der Straße gefunden.

Der Felsriegel taucht nur wenig Meter nach dem Tunnel auf (rund eine Fahrminute von der Hauptstraße). Insgesamt gibt es rund 25 Touren mit Routenlängen zwischen 15 und 30 Metern.  Die Touren sind gut abgesichert, dementsprechend viele Exis werden zum Teil benötigt, zum Beispiel rund 15  Stück für die 30 m der  “Ojos azules” (6a+/6b) oder 17 (!) bei der Mi Kin (6b) – man kann die eine oder andere allerdings auch leicht wieder mitnehmen…

Jom La (?) 6a+ ©srauch

Die Routen sind überwiegend senkrecht mit schöner Kletterei an Leisten, Kanten und zum Teil auch Tropflöchern. Einige  Touren sind leider etwas speckig, zum Beispiel die Jom La (15m, 6a+). Wir sind insgesamt 6 Routen geklettert, die Schwierigkeiten lagen im Bereich 6a bis 6b.

Canyoning am Ordesa

Ein bisschen Kurverei ist es schon, vor allem wenn man in Ost-West-Richtung unterwegs ist: Doch wer es nach Ainsa, dem Tor zum Ordesa- und Anisclo-Tal und den eisbedeckten Hängen des Monte Perdido in den spanischen Pyrenäen, geschafft hat, kann sich auf verspielt-schöne Schluchten mit blaugrünem Wasser und perfekt geformten Kalkwänden freuen. Karstige Hochflächen und tiefe Täler prägen die Landschaft – fast senkrecht fallen die Wände etwa in das berühmte Anisclo-Tal hinab. Unzählige Canyons gibt es am Ordesa, besonders innerhalb der Nationalparkgrenzen gibt es wohl auch noch viel Neuland, doch jegliche Aktivitäten sind dort strengstens verboten, an einigen Stellen sogar das Mountainbiken auf Forstpisten. Die Abstiege außerhalb des Parks zählen zu den Pyrenäen-Klassikern. Von den Wassermassen des Miravall im Frühjahr, dem schönen Lichtspiel zwischen den engen Wänden des Gloces und den nach oben wie unten begehbaren Kaskaden des Escuaín hat wohl jeder canyonbegeisterte Pyrenäenfahrer schon etwas gehört. Entsprechend beliebt ist die Region im Sommer, viele Franzosen kommen dann durch den Bielsa-Tunnel und bevölkern Zeltplätze und Canyons. Mehr Ruhe hat man im Frühjahr und Herbst, wobei dann die besagten Wassermassen des Miravall oder auch das große Einzugsgebiet des Gloces zum Alternativprogramm zwingen können.

Consusa superior ©srauch

Die richtige Zeit also für den Consusa, den längsten Canyon am Ordesa. Die gesamte Schlucht – mit knapp 1000 Metern Gefälle und mehr als 45 Abseilstellen – ist an einem Tag kaum machbar, allein schon der obere Teil ist eine schöne Tagestour. Los geht es an den Häusern von Revilla, ein ehemals verlassenes Dorf, in dem sich heute jedoch wieder Ferienwohnungen für Touristen finden. Recht bald passiert man den „Amboss“, einen markant geformten Felsblock, wo man sich rechts halten muss. Von hier geht es auf einem guten Wanderweg immer weiter nach oben, wobei man das Gefühl hat, schon viel zu weit östlich zu sein. Doch es stimmt, nach etwa eineinhalb Stunden erreicht man offenes Gelände mit toll geformten Karstblöcken. Linkerhand lässt sich jetzt schon der Einschnitt vom Consusa erahnen, weglos steigt man in der kargen Hochgebirgslandschaft immer weiter hinauf. Auf gut 1900 Metern fließt auf einmal Wasser die kargen Kalkplatten hinunter ins Tal, bildet Stufen in schönster Regelmäßigkeit und plätschert auf eine steile Kante, den Abbruch ins Tal des Rio Yaga, zu.

Hier wandelt sich der schnörkellos alpine Charakter des Consusa zu einer stellenweise eng eingeschnittenen Schlucht, die immer wieder jedoch auch offener wird – und damit für den Fall eines Wettersturzes sicher einige Fluchtpunkte, jedoch keine Ausstiegsmöglichkeiten bietet. Abseilstelle reiht sich an Abseilstelle, etwas kniffelig wird es beim Überklettern eines Siphons – die Felsbarriere sieht toll aus und bietet eine grandiose Aussicht auf die steilen Felswände des Castillo Mayor, doch am spiegelglatten Felsen werden manchmal schon zweieinhalb Klettermeter zur Herausforderung, die nur mit Hilfe zu meistern ist. So ungefähr muss sich eine Barbiepuppe fühlen, kurz bevor man ihr den Arm ausreisst.

Weiter unten versickert das Wasser immer mehr, spätestens mit Beginn des langen Felschaos ist es komplett weg. Jetzt lassen die Reize der Schlucht spürbar nach. Der Ausstieg ist bei einer Brücke, von dort geht es links in Richtung Revilla, das man nach rund 20 Minuten erreicht.

Die Straßenkurve vor Revilla ist auch gleichzeitig der Einstieg zum unten Teil des Consusa. Noch einmal knapp 400 Höhenmeter hat das Wasser eine kompakte, enge Schlucht bis zur Mündung in den Rio Yaga gegraben. Der untere Consusa ist meist trocken, trotzdem lohnt sich der Abstieg sehr, besonders beeindruckend ist eine Stelle, an der man sich zwischen großen Blöcken ins Dunkle abseilt – und unten bei fehlendem Wasser einen großen Schotterberg hoch laufen muss.

Am Zusammenfluss von Consusa und Rio Yaga, trifft man gewissermaßen auf das Ende des Escuaín, einer Teilstrecke des Rio Yaga. Hier lohnt es sich unbedingt noch den Escuaín flussaufwärts bis zur letzten Kaskade zu laufen und vom orografisch linken Gesimsband in das Becken zu hüpfen. Zwölf bis vierzehn Meter – je nach Wasserstand – freier Fall, ein perfekter Absprung und ein vorher bitte auf ausreichende Tiefe geprüftes blaues Badebecken, das Sahnehäubchen vom Escuaín!